[M]eine Kreisgeschichte (7)

Wahrhaftig, war ich dem Phänomen auferlegen, mir eine Meinung über Personen gebildet zu haben, die ich nur durch die immer gleichen Wiederholungen ihrer Aussagen auf meinem Bildschirm kannte.

Während Story am Essenstisch friedlich vor sich hin monologisierte, suchte Ellika ihn zeitnah zu unterbrechen, um das Gespräch vorsichtig in Richtung unseres Vorhabens zu lenken.

Das ZEGG erblühte in seiner aller schönsten Sommerpracht. Es war warm und sonnig. Viele Workshops, Gastredner, Menschen. In mir entstand das Gefühl “Klassenfahrt, große Gruppe”.

Ich fühlte mich wie ein Grundschulkind, das endlich all die Sachen machen durfte, die ihm seine Eltern und Erzieher nie erlaubt hätten, zu mindestens die ersten drei Tage der Tour.

Das ZEGG – Entstehung & Gemeinschaft

Dolores: „Ich bin Dolores Richter und bin schon 1980 in dem Vorläuferprojekt hier vom ZEGG. Das ZEGG heißt, „Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung“, langer Name.“

Achim: „Also das ZEGG was wir ja dann 91 gegründet haben, haben wir genannt Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung. In dem Namen ist ja drin, wir wollen eine andere Gesellschaft bilden, weil diese Gesellschaftsform, offensichtlich, zu all der Zerstörung im Außen und zu den Konflikten führt, die wir sehen.“, …“Experiment steht ein, das wir es auch noch nicht wissen, sondern, dass wir vieles ausprobieren. Und schon unterwegs Fragen und Antworten finden aber nicht sagen würden, das ist die absolute Antwort.“

Dolores: Wir haben das praktisch 10 Jahre vorbereitet in einer kleineren Forschungsgruppe. Als ich 20 war bin ich eingestiegen und bin jetzt hier, mach viele Seminare, Ausbildungen auch zum Thema Forum. Liebeskunstwerk, d.h. welche sozialen, geistigen Voraussetzungen kann man schaffen das Liebe gelebt wird zwischen zwei Menschen oder auch mehr Menschen, weil ich eben davon ausgehe, dass das eben auch ein Umfeld braucht. Das wir uns meistens damit überfordern wie wir denken, wir müssten das zu zweit schaffen. Auch ein Grund warum Gemeinschaft sehr sinnvoll ist.

Achim: „Mein Name ist Achim Ecker und ich bin damals 1984/85 in das Projekt gekommen, was damals noch in Süddeutschland war. Ich war so politisch aktiv und hatte in allen möglichen Ecken Interessen und natürlich war die Beziehungsfrage für mich auch brennend, da war ich 24. Genau. Dann habe ich dieses Projekt kennengelernt wo all diese Fragen zusammen genommen wurden in ein Experiment des Zusammenlebens. Das hat mich interessiert. Und deswegen bin ich dann letztlich geblieben.“

Dolores: „Also mein Impuls, ich war ja ein junger Mensch, war in der Zerrissenheit die ich selber erlebt habe zwischen politisch etwas verändern wollen aber keine Gruppierung gefunden zu haben, die ich als authentisch oder menschlich empfunden hatte. Also es gab für mich einen großen Widerspruch zwischen politischer Arbeit und was ich als Freundschaft und Vertrauen gesucht habe. Und auch im Beziehungsbereich, hatte ich keine Ahnung wie ich das hinkriegen soll. Ich wollt einfach einen anderen Umgang und ich wollte aber auch etwas in der Welt bewegen. Ich glaube eine Sinnsuche war es zu der Zeit.